30.05.2024

Warum man sich mit „Alles Gut!“ keine Freunde macht – die Illusion der Höflichkeit im Bauwesen

VON: friedrich howanietz

Friedrich Howanietz, Aqua Consulting Blog, Erfahrungen Aqua Consulting

Im Bauwesen, wo jedes Detail zählt, sind oberflächliche Höflichkeiten fehl am Platz. Wer mit „Alles gut!“ versucht, Konfrontationen zu vermeiden, wird schnell als konfliktscheu und oberflächlich wahrgenommen. Stattdessen müssen alle Beteiligten – von Architekten über Tragwerksplaner bis hin zu Handwerkern – auf authentische und präzise Kommunikation setzen. Nur so können sie Vertrauen aufbauen und Projekte erfolgreich vorantreiben.

Die Illusion der Höflichkeit im Bauwesen

In der Bauindustrie beginnen Gespräche oft mit einem lockeren „Alles gut?“. Diese Floskel suggeriert, dass keine Probleme bestehen, was selten der Fall ist. Dieses zwanghafte Bedürfnis, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, kaschiert oft die Angst vor unangenehmen Konfrontationen. Doch gerade diese Konfrontationen sind im Bauwesen unverzichtbar, um Missverständnisse zu klären und den Bauablauf reibungslos zu gestalten.

Architekten und Auftraggeber: Klarheit statt Floskeln

Ein Architekt, der sich mit einem einfachen „Alles gut?“ beim Auftraggeber meldet, läuft Gefahr, wichtige Details und Bedenken zu übersehen. Ein präzises „Gibt es derzeit Herausforderungen oder Änderungen, die wir besprechen sollten?“ zeigt nicht nur echtes Interesse, sondern fördert auch eine offene Gesprächskultur, die für erfolgreiche Projekte essentiell ist. Im Bauwesen zählt jedes Wort, und oberflächliche Höflichkeiten haben hier keinen Platz.

Tragwerksplaner und Technische Gebäudeausstattung: Direkte Kommunikation

Tragwerksplaner und Ingenieure der Technischen Gebäudeausstattung müssen oft komplexe technische Details besprechen. Ein „Alles gut?“ in einer solchen Diskussion kann als Desinteresse oder mangelnde Ernsthaftigkeit gewertet werden. Stattdessen sollte die Kommunikation präzise und zielgerichtet sein: „Sind die Berechnungen zur Statik abgeschlossen und gibt es Anpassungen, die wir berücksichtigen müssen?“ Solche Fragen signalisieren nicht nur Klarheit, sondern auch professionelle Kompetenz.

Umgang mit Handwerkern und Monteuren: Respekt und Präzision

Handwerker und Monteure, die an der Frontlinie eines Bauprojekts arbeiten, benötigen klare und respektvolle Anweisungen. Ein Bauleiter, der sich mit „Alles gut?“ abspeist, zeigt mangelnde Wertschätzung für die Arbeit vor Ort. Eine präzise Frage wie „Gibt es Probleme mit den Materialien oder Werkzeuge, die nicht funktionieren?“ zeigt nicht nur Interesse, sondern auch Respekt für die Herausforderungen, denen die Arbeiter täglich gegenüberstehen.

Praxistipps für eine bessere Kommunikation

  1. Sei spezifisch und direkt: Vermeide vage Floskeln und stelle gezielte Fragen. Beispielsweise statt „Alles gut?“ lieber „Gibt es irgendwelche Hindernisse, die den Zeitplan gefährden könnten?“.
  2. Zeige echtes Interesse: Höre aktiv zu und zeige, dass du die Antworten schätzt. Dies fördert ein Klima des Vertrauens und Offenheit.
  3. Vermeide Annahmen: Gehe nicht davon aus, dass keine Nachricht eine gute Nachricht ist. Frage aktiv nach und kläre alle Unklarheiten.
  4. Nutze präzise Rückmeldungen: Gib klare und konkrete Rückmeldungen. Anstatt „Alles gut!“, lieber „Die Arbeiten an den Fundamenten sind abgeschlossen, was ist der nächste Schritt?“

Fazit: Authentizität statt Floskeln

Authentische und zielgerichtete Kommunikation fördert nicht nur den Projekterfolg, sondern auch den Respekt und das Vertrauen aller Beteiligten. Floskeln wie „Alles gut!“ gehören daher in den Mülleimer der Kommunikationsgeschichte. Ja ja, Kompetenz in der Kommunikation ist gefragt!

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